AKOPOM-Kongressbericht 2017:

 

Die AKOPOM-Beiträge bildeten eine Vielfalt von Themen ab. Der Hämatoonkologe Cyrus Sayehi aus Würzburg machte  Entwicklung und Perspektiven für immuntherapeutische Ansätze durch Check- Point- Inhibitoren beim oralen Plattenepithelkarzinom verständlich,  die hierfür nach herausragenden Ergebnissen beim Melanom jetzt intensiv beforscht werden, was auch Prof. Urs Müller- Richter (Würzburg) für deren palliative und adjuvante Therapie zeigte. Prof. Alexander Eckert (Halle) mit Koautoren aus Pathologie und Immunologie  demonstrierte im gleichen Kontext  Immun- Escape- Mechanismen der Tumoren und Ansätze zu deren Überwindung. Strahlenfolgen in Form der Mukositis besprach Frau Sylvia Gruber aus Wien. Aus deren  Biologie leitete sie Behandlungstrategien ab. Prof Andreas Kolk (München) analysierte  an 80 Verläufen,  inwieweit die IMRT zur Reduktion von infizierten Osteonekrose geführt  hat: Mit 12% blieb diese häufig. Begünstigend waren vor allem Knochenmanipulationen (Durchtrennungen,  Kastenresektionen). Arbeitsgruppen aus Erlangen (Wehrhan, Weber) zeigten unter anderem, wie prognosebestimmende und mit der Tumorgröße korellierende molekulare Marker  (Hif1α, CSF-1R) sich nach Probeexzisionen negativ verändern.  Die Zuordnung  des oralen  Lichen  zu präkanzerösen Bedingungen bestätigte  Carolina Wolff aus München.
Drei Hauptvorträge des  AKOPOM widmete sich der Parodontitis: Metatranskriptionsanalyse zum Mikrobiom der Zahntaschen  mit individuumspezifischen  Plaques (Prof. Christian Meyer, Helmholtz- Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig), Immunologie  (Prof. Henrik Dommisch, Berlin), Zusammenhänge zwischen  Parodontitis und  Allgemeinerkrankungen (Prof. Ulrich Schlangenhauf, Würzburg). Autoimmunerkrankungen der Mundschleimhaut  demonstrierten aus  pathologischer Sicht  der Ehrenvorsitzenden des AKOPOM,  Prof. Arne Burkhardt  mit  PD Stephan Schwarz-Furlan (Kaufbeuren und Ravensburg) und aus hautärztlicher Sicht  Prof. Michael Stichelring (Erlangen). Spannend waren Aussagen zu Diagnose und Therapie von Pemphigus, Pemphigoid, Lupus erythematodes  mit hoch aktiven  Medikamenten wie Dapson, Kortikoiden, Azithoprim.
Den weitesten Weg hatte Prof. Daniel Olmedo aus Buenos Aires zurückzulegen. Er stellte eine Fülle interessanter Studien vor zur Abriebkorrosion bei Implantaten in Zahnheilkunde und Orthopädie sowie zu Gewebsantworten auf versprengte Titanpartikel.
Der Tagungspreis des AKOPOM wurde Dr. Dr. Stefan Hartmann et al. aus Würzburg für klinische und Zellkulturuntersuchungen zur Rolle des Melanom-assoziierten Antigens als prädiktivem Marker  für Prognose und Cisplatinresistenz zuerkannt. Ich erwähne zusätzlich: Mikrofrakturen könnten  in der Genese von bisphosphonatassoziierten Nekrosen eine Rolle spielen (Hoefert), multimodales molekulares Tumorprofiling könnte hilfreich für Risikostratifizierungen sein (Freier), Komplikationen nach operativen  Weisheitszahnentfernungen zeigte Pasic (Unterkiefer: 8,4% von 1199, Oberkiefer: 5,9% von 1562).  Es überrascht die Häufigkeit von 4,2% der Alveolitis sicca, die wir nach  primärer Wundabdeckung kaum sehen.

Der AKOPOM wählte seinen Vorstand. Wie bisher wird er auch in den kommenden zwei Jahren von Prof. Urs Müller-Richter (Würzburg) geführt. Initiativreich wurde eine neue Ausbildungsveranstaltung auf dem Gebiet der Oralpathologie für 2018 in Kiel aufgelegt. Im Vorstand des AKOPOM wird leider zukünftig das besondere Flair von Frau Professor Schmidt-Westhausen vermisst werden.

Autor:    Dr. med. habil. Lutz Tischendorf,  Halle